U15 auf der Deutschen Meisterschaft

Was im letzten Jahr noch als Mega-Sensation gefeiert wurde, bekam in diesem Jahr kaum die Bedeutung, die es verdient. Bei der nordbadischen Meisterschaft im Beachvolleyball der U15 Ende Mai holte der SSV den Vizetitel und hatte damit große Hoffnungen auf die Qualifikation zur Deutschen Meisterschaft.

Die Regularien der DVJ sahen vor, dass erst am 30. Juni Meldeschluss war und insofern auch erst dann feststand, aus welchem Landesverband eventuell auch der Vizemeister das Ticket zur „Deutschen“ zog. Als am 1. Juli dann die freudige Mitteilung kam, dass der SSV im Startfeld war, begann das hektische Organisieren von Anfahrt, Unterkunft und allem, was es rund um so eine Veranstaltung vorzubereiten galt.

Ungeplanter Zwischenhalt in Frankfurt-Süd wegen defektem ICE

Bis auf Tessi war es für alle nicht die erste Teilnahme an der Deuschen Meisterschaft: einige waren schon im letzten Jahr mit dem SSV dort gewesen, andere waren mit einem Team des Kaders in 2018 zur Fahrt nach Hamburg aufgebrochen. Entsprechend abgeklärt traten die SSV-Mädchen die Anreise an. Dass unser ICE der Deutschen Bahn technische Probleme hatte, wurde mit dem notwendigen Langmut hingenommen. So kam man zwar mit über zwei Stunden Verspätung erst in Hamburg an, aber eben genau rechtzeitig, um noch eine erste Trainingseinheit auf einem der reservierten Beach-Spielfelder durchzuführen.

Ankunft im Hamburger InselPark
Ankunft im Hamburger „ParkSportInsel“

Schon bei unserem Eintreffen im Hamburger „ParkSportInsel“ waren die ersten logistischen Herausforderungen der Ausrichter sichtbar geworden: lediglich drei „Dixie“-Toiletten standen für knapp 200 Menschen bereit, fürs Duschen musste man 1,50 € im benachbarten Schwimmbad ausgeben und so etwas wie Umkleiden gab es auch nicht.

Die anschließende offizielle Begrüßung der Mannschaften geriet dann leider etwas arg formlos. Stattdessen erklärte das junge Ausrichter-Team, dass es unter widrigen Umständen die Ausrichtung zu bewältigen hatte und man für Kritik offen sei. Das bestätigte sich auch in späteren Gesprächen. Dennoch bleibt: die Begrüßung, für die sehr viele die Anreise schon am Donnerstag quer durch Deutschland auf sich genommen hatten, war einer deutschen Meisterschaft leider nicht würdig. Und als dann im anschließenden „Technical Meeting“ gar über die Regeln diskutiert und darüber sogar abgestimmt werden sollte, war das endgültig kein angemessener Rahmen.

Anschließend ging es dann ins Hotel nahe der Binnenalster. Die Zimmer waren nicht gerade geräumig, aber vollkommen ausreichend für die kommenden Tage.

Ein erster langer Tag mit viel Reisen und wenig Volleyball ging zu Ende.

Turniertag 1

Voller Tatendrang traf das SSV-Team am nächsten Morgen zu den ersten Spielen ein. In der Vorrundengruppe war mit MTV Stuttgart immerhin ein bekannter Namen (immerhin Württembergischer Meister und an Position 2 gesetzt) sowie PTSV Aachen. Nachdem man zunächst das Schiedsgericht im Spiel der beiden anderen Vorrundengegner gegeneinander zu stellen hatte, konnte man schon sehen, dass das Niveau der beiden Teams extrem hoch war.

Lotta macht Druck

Doch man merkte den Beach-Teams des SSV an, dass sie über den bisherigen Sommer viel Erfahrung im Sand gesammelt hatten. So wurde das 2-gegen-2 vom Team Lenja/Julia recht souverän gewonnen. Amelie/Tessi unterlagen danach. Im 4-gegen-4 wurde es zum Ende hin dramatisch. Der SSV führte bereits 19:14, doch verlor man dann scheinbar jeden Mut. Jedenfalls gelangen danach nur noch zwei Punkte und so stand eine wirklich ärgerliche 1:2-Niederlage zu Buche.

Nach einer längeren Spielpause wollte man es gegen Aachen besser machen. Die Partie nahm einen ähnlichen Verlauf wie gegen Stuttgart. Dieses Mal hatte das zweite SSV-Team allerdings schon die Chance, zum 2:0 vorzuentscheiden, vergab die Chance allerdings. Kurios wurde es dann im entscheidenden 4-gegen-4. Bei einer Rettungsaktion stolperte SSV-Spielerin Tessi über die Spannschnur der mobilen Netzanlage und brachte damit das gesamte Netz zum Umstürzen. Sie selbst trug eine Schürfwunde am Schienbein davon. Es folgte eine längere Pause, bis das Netz wieder stand. Aachen nutzte die Pause offenbar besser als der SSV und zog in der Folge Punkt für Punkt davon. Schade – die zweite knappe Niederlage in Folge.

Der Spielplan hatte für derartige Situationen eine Zwischenrunde mit Überkreuzspielen vorgesehen, sodass noch nicht alle Chancen auf einen vorderen Platz vergeben waren. Doch abermals war dem SSV das Glück nicht hold. In der Überkreuzgruppe hatte der spätere deutsche Meister FTSV Straubing sein Auftaktmatch sensationell verloren und war nun der Gegner für den SSV.

Es war die mit Abstand einseitigste Partie des ersten Turniertags – ohne Chance ging der SSV 0:3 unter. Das war einfach ein anderes Niveau, das Straubing da hinlegte.

So war die Stimmung einerseits etwas gedrückt, weil man alle drei Spiele verloren hatte, andererseits hatte man in den ersten beiden Spielen teilweise tolles Beach-Volleyball gezeigt und damit schon gezeigt, dass hier mehr drin war.

Turniertag 2

Laut Wettervorhersage sollte es jeden Tag eigentlich etwas besser und wärmer werden. Das hatte sich aber augenscheinlich nicht bis zum Wetter selbst herumgesprochen. Denn Tag 2 der deutschen Meisterschaften wird als der „Tag des Unwetters“ in die Annalen eingehen. Was zuerst wie ein leichter Schauer anfing, entwickelte sich mit jeder Minute mehr zu ergiebigem Starkregen mit vereinzelten Donnern. Die Spiele waren längst unterbrochen und alle hatten sich unter die Zelte des Ausrichters geflüchtet. Dass auch deren Kapazität irgendwann erschöpft war, konnte man theoretisch erwarten, aber als auch im Zelt der Boden unter Wasser stand, wurde daraus Gewissheit.

Der Ausrichter hatte anschließend alle Hände voll zu tun, die teilweise überfluteten Spielfelder wieder spielbar zu machen, aber dank tatkräftiger Unterstützung einiger Trainer und Helfer gelang das recht schnell.

Einschwören auf Kirchzarten

Rein spielerisch verlief der zweite Tag aus Sicht des SSV leider nicht so erfreulich. Im Spiel gegen das südbadische TV Kirchzarten stand es zwar nach den beiden 2-gegen-2-Sätzen wieder 1:1, aber schon da hatte man allzu viele Chancen auf ein 2:0 vergeben. Das 4-gegen-4 wurde zum spielerisch Schlechtesten des gesamten Turniers. Anstatt das eigene Spiel „durchzuspielen“, ließ man sich von Kirchzarten deren unangenehmen Stil aufdrücken. Aber selbst da hatte man bis Satzende alle Chancen. Zwei Matchbälle wurden abgewehrt, ehe man sich mit 25:27 geschlagen geben musste – kein Auftakt in die Endrunde, den man sich gewünscht hätte.

Und als man nach einer längeren Pause dann auch im abschließenden Spiel gegen TSV Wacker 50 Neutraubling glatt mit 0:3 unterlag, war die Stimmung zurecht im Keller.

Am Abend gab es eine kurzerhand angesetzte Lagebesprechung mit Mannschaft und Trainer – so konnte und wollte niemand wirklich auftreten. Der Plan war gefasst, am letzten Tag sich wieder als Team zu präsentieren und gemeinsam die Chancen für einen Erfolg zu wahren.

Turniertag 3

Der dritte Turniertag begann mit dem Auschecken aus dem Hotel und wettermäßig ohne Besserung: als die Mannschaft die Lobby verließ, nieselte es bei 14 Grad – wer hat da schon Lust auf Beachvolleyball? Na klar: unsere Mädels brannten darauf, es heute besser zu machen.

Das gelang zum Auftakt gegen das Team L.E. Volleys aus Leipzig nur zum Teil: das erste SSV-Duo wirkte müde und langsam und musste sich glatt geschlagen geben. Dafür gelang dem zweiten Duo endlich (!) der erhoffte Erfolg. 21:16 hieß es. Und jetzt wollte man endlich auch mal ein 4-gegen-4 gewinnen. Es wurde das beste 4-gegen-4-Match des SSV. Dennoch blieb es bis zum Ende recht eng und erst zum Satzende gelangen die entscheidenden Punkte zum 25:20. Es war eine Mischung aus Freude und Erleichterung in den Gesichtern aller – ENDLICH ein Sieg!

Und dass man gegen den nordbadischen Rivalen vom SVK Beiertheim im letzten Spiel noch eine Rechnung offen hatte, das war allen klar.

Als sei eine Last von den Schultern der Mädchen gefallen, spielten beide SSV-Duos wie befreit auf. Sicher hatte der Gegner auch nicht die Qualität von Stuttgart oder Essen, aber im Vergleich zur nordbadischen Meisterschaft, als man noch äußerst enttäuscht den Titel gegen Beiertheim verloren hatte, war es eine richtig tolle Leistung. 21:14 und 21:12 waren die absolut verdienten Satzerfolge – eine eindrucksvolle Revanche! Dass man das abschließende 4-gegen-4 noch verlor, schmerzte keine Sekunde: der Sieg stand ohnehin fest.

Von den Endspielen bekam das SSV-Team kaum etwas mit, da sie parallel zum letzten SSV-Spiel stattfanden. Der Favoriten-Sieg von Straubing war wenig überraschend, wohl der Finaleinzug von Freiburg, die „das Turnier ihres Lebens“ spielten, aber im Finale chancenlos.

Eine besondere Überraschung gelang dem Ausrichter dann zum Ende. Denn mit einem Mal ragte so ein richtiger Schlacks aus der Menge der Zuschauer und ja, war das nicht Julius Thole, der frisch gekürte Vize-Weltmeister? Tatsächlich hatte man ihn dafür gewinnen können, die Medaillen an die Sieger zu überreichen. Dass der Andrang auf ein „Shooting“ mit ihm immens sein würde, lag auf der Hand.

Ein toller Moment – Vize-Weltmeister Julius Thole

Doch dann durften sich alle Teilnehmer hinter der Fahne des Heimat-Bundeslands sammeln. Die Vereine jedes Bundeslands wurden gemeinsam aufgerufen und zur Siegerehrung gebeten. Für den SSV hieß es am Ende Platz 14 – immerhin hatte der SSV Leipzig und Kirchzarten hinter sich gelassen.

Platz 13 für den SSV Vogelstang

Fazit

Bis auf den 2. Turniertag konnte die U15 spielerisch mehr als überzeugen. Mit etwas mehr Mut und Glück wäre schon am 1. Tag ein Sieg möglich gewesen und wer weiß, was dann noch gegangen wäre? Der neue Modus bei der U15 hat den Stellenwert des 4-gegen-4 sogar nochmal gestärkt und gerade da konnte man nur in einer Begegnung einen Sieg verbuchen. Im 2-gegen-2 hat sich die Beach-Erfahrung beim SSV deutlich bemerkbar gemacht. Und vier der sechs Spielerinnen aus diesem Jahr haben auch in 2020 nochmal eine Chance und zwei können sogar noch zwei Jahre bei der U15 antreten. Die Perspektiven sind also rosig.

Viele weitere Details befinden sich im Live-Blog vom Event selbst.


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