Von Häschen, Kätzchen und einem Wochenende voller Volleyball

Regionalspielfest – der Namen dieses Turniers kursierte spätestens seit dem letzten U13-Spieltag Mitte März unter den U13-Mädchen des SSV. Alle wusste da nur: am 24. und 25. Juni wird man gegen die besten Mannschaften aus ganz Baden-Württemberg antreten. Aber bis Juni war es ja noch lange hin…

Wenn Vorfreude ein Gesicht hätte

Wenn Vorfreude ein Gesicht hätte

Natürlich waberte das Turnier weiter unter den Mädchen. Manche waren in 2016 sogar schon dabei, als wir das letztjährige Regionalspielfest bei uns in heimischer Halle ausgetragen haben. Für andere war es nur der Begriff für ein weiteres Turnier, das man noch nicht so recht fassen konnte. Dann sickerte durch, dass Ochsenhausen wohl als Ausrichter auserkoren war – eine lange Anreise stand also bevor.

In der Folge gingen die Planungen mit dem Ziel weiter, schon am Freitag Nachmittag die Reise nach Oberschwaben anzutreten. Für zwei Übernachtungen musste dafür eine Unterkunft gefunden werden und mindestens ein Elternauto musste ohnehin mitfahren. Die Wahl fiel letztlich auf einen kleinen Ferienhof am Rand von Ochsenhausen. Der Hof versprach einen Hauch von Urlaub auf dem Bauernhof mit nett aussehenden Apartments und günstiger Lage unweit der Sporthalle. Für die Anreise erklärten sich Monika und Stefan – unser treuestes Elternpaar der Saison – bereit, schon am Freitag mit zu reisen. Der grobe Plan stand also.

Die Zeit bis zum großen Turnier verging. Je näher das Wochenende kam, umso mehr stieg bei so mancher Spielerin die Vorfreude, aber auch die Aufregung.

Genau das richtige für die Mädels

Genau das richtige für die Mädels

So traf sich an diesem Freitag mittag schon gegen 15 Uhr ein kleiner Tross, bestehend aus den sechs Spielerinnen, Monika und Stefan – den beiden Eltern – und mir (Trainer), um sich auf den Weg ins gut 260 Kilometer entfernte Ochsenhausen zu machen. Die obligatorischen Staus sorgten dafür, dass der Tross erst kurz nach 7 am Ziel eintraf. Von Müdigkeit keine Spur bei den Mädchen. Die beiden Apartments waren schnell zugewiesen und noch ehe man sich versah, hatten die Mädels neben den Wohnhäusern einen Tierstall gefunden. Darin fand sich scheinbar alles, was ein 11- bis 12-jähriges Mädchenherz erfreut: ein ganzes Rudel schwarz-weißer junger Kätzchen sowie in ähnlicher Anzahl ein paar Häschen. Dazu passte das wunderbare Wetter hervorragend. Das hatte schon etwas von Urlaubsatmosphäre.

Zum Abendessen stiegen wir nochmals ins Auto – inzwischen war auch meine Frau mitsamt Sohn eingetroffen -, um im schmucken Rot an der Rot bei bester Stimmung den Tag ausgleiten zu lassen. Die Vorfreude stand allen ins Gesicht geschrieben.

Nach einer sehr ruhigen Nacht gab es erst einmal Frühstück auf der Terrasse – der Brötchendienst funktionierte prima, dazu gab es fast alles, was man zu einem guten Start in so einen Tag braucht. Die Lockerheit war einer leichten Anspannung gewichen – jede merkte: jetzt wird es langsam ernst.

SSV-Mädchen bei der Begrüßung

SSV-Mädchen bei der Begrüßung

Kurz vor halb zehn traf der SSV-Tross dann in der Dr. Hans-Liebherr-Sporthalle ein – einem modernen Hallenkomplex, das uns alle nur neidisch werden ließ. So eine Halle hätten wir auf der Vogelstang auch gerne. Die Halle war immer noch voll von der Hitze der letzten Tage, aber damit mussten jetzt alle zu Rande kommen. Jedenfalls war spätestens jetzt allen aus dem SSV-Lager klar, dass das hier eine große Meisterschaft ist.

Die Auslosung brachte kaum Beruhigung für die angespannten Nerven: der Ausrichter selbst war als Württembergischer Meister zugeordnet, dazu der USC Konstanz sowie ein BaWü-Team, das für gewöhnlich von einer Kadermannschaft bestückt ist. Konstanz sollte der erste Gegner sein.

Doch davor gab es noch die Begrüßungsveranstaltung mit dem feierlichen Einmarsch aller 24 Mannschaften und einer kurzen Ansprache des Ochsenhausener Vereinsvorsitzenden. Davon werden die meisten kaum etwas mitbekommen haben – jetzt wollten alle nur noch pritschen, baggern und angreifen!

Die Nervosität wich so langsam, als man im ersten Spiel spürte, dass dieser Gegner sogar zu bezwingen war. Dass man das am Ende sogar schaffte, brachte eine erste Gefühlsexplosion bei allen, die dem SSV zugetan waren. Die Leistung passte, der Gegner war klar bezwungen.

Tag 1 ist geschafft

Tag 1 ist geschafft

Gegen die Mannschaft vom SV Ochsenhausen zeigte die Leistungskurve weiter nach oben, dafür waren die Gegner aber auch deutlich stärker als zuvor. Doch die Mädels begeisterten mit ihrem erfrischenden Auftreten trotz Niederlage ihre Fans – eine Eigenschaft, die das ganze Wochenende über dieses junge Team auszeichnete: sie hoben niemals ab, ließen sich aber auch durch nichts aus der Ruhe bringen.

Als nach Ende der Vorrunde die Kunde kam, dass man sich für die Endrunde der besten 6 Teams qualifiziert hatte, nahm das die Mannschaft entsprechend souverän hin – von Respekt oder gar Angst vor den großen Namen keine Spur.

Auch das allerletzte Spiel des Tages gegen das befreundete Team aus dem nordbadischen Brötzingen wurde mit vollem Elan angegangen. Man muss sich das einmal überlegen, dass bis dahin alle schon weit über 8 Stunden in der stickigen Halle gewesen und dort intensiven Sport betrieben hatten. Das tat der Energie aber scheinbar (noch) keinen Abbruch. Abermals war es schön anzusehen, was die Mädels da aufs Feld zauberten. Und der Spaß war jeder ins Gesicht geschrieben.

Wir haben Hunger!!!

Wir haben Hunger!!!

Der ursprüngliche Plan hatte vorgesehen, nach Turnierende am Samstag ein Restaurant aufzusuchen, aber schon am Mittag hatte sich der Begleittross darauf geeinigt, den Mädels lieber etwas mehr Ruhe zukommen zu lassen und stattdessen in unserem Apartment einen Topf Spaghetti zu kochen. Das war schon eine ausgelassen und lustige Runde beim Abendessen. Natürlich mussten sich die Mädchen vorher noch ausgiebig sich um die Kätzchen und Häschen kümmern, aber auch das Erlebte vom Tag war allen noch präsent. Morgen war nochmal ein langer Tag und so langsam spürten dann doch alle, das auch dieser Tag eine Menge Energie gekostet hatte.

Da wir unser Apartment sonntags wieder zu räumen hatten, konnten alle nicht so lange im Bett bleiben wie noch am Samstag. Aber als auch die Erwachsenen zum Frühstück bereit waren, hatten die Mädels schon ihr komplettes Zimmer geräumt und ihre Taschen gepackt. Vorbildlich!

Dann hieß es Abschied zu nehmen von Ferienhof und Apartment, aber auch von Kätzchen und Häschen. Schon auf der Fahrt in die Halle kam die Frage auf, ob man nicht „einfach mal so“ mit den Volleyball-Mädels ein paar Tage auf diesem Bauernhof verbringen könnte. Die Unterkunft hatte also allen gefallen!

Zurück in der Halle hatte der Spielplan noch drei schwere Brocken bis zum Turnierende zu bieten: Freiburg, Stuttgart und Niederstetten – drei echte Top-Teams. Zum Spielverlauf kann man gerne den anderen Artikel zum Regionalspielfest lesen. Es waren zwei dramatische Spiele, aber auch zwei Spiele, in denen diese Mädels volleyballerisch sowohl Trainer als auch Fans begeisterten. Das war ganz großer Sport und das mit einem Elan und Spaß, wie es mehr kaum geht. Selten hat der Ausdruck „Stehaufmännchen“ so gut gepasst.

6. Platz für den SSV Vogelstang!

6. Platz für den SSV Vogelstang!

Selbst nach der Niederlage war die Stimmung weiter positiv. Klar war man enttäuscht, aber den Charakter macht auch aus, dass man immer wieder positiv nach vorne geschaut hat.

Ich muss zugeben, dass ich mich gerade für diese Mädels ganz besonders gefreut habe, als sie bei der abschließenden Siegerehrung hochverdient (wie ich meine) als sechsplatziertes Team nach vorne gerufen wurden. Natürlich stehe ich auch dazu, dass es ein ganz besonderes Erlebnis war, meine eigene „kleine“ Tochter im Kreis dieser Mannschaft zu sehen und begleiten zu dürfen. Es war definitiv auch ein ganz besonderer Familienausflug für uns.

Kurz nach 16 Uhr waren die Gewinner gekürt und auch alle wieder frisch geduscht. Jetzt noch die Heimfahrt über allzeit überfüllte Straßen. Schnell war der Konvoi der drei SSV-Autos aufgelöst. Gut drei Stunden gab es Stop-and-Go. Die Stimmung in meinem Auto war prächtig, wobei man gegen Ende doch die eine oder andere Spur von Müdigkeit im Blick so mancher Spielerin sehen konnte.

Kurz vor halb acht waren auch die letzten Mädchen nach Hause gebracht. Vorbei war ein unvergessliches langes Wochenende mit Häschen, Kätzchen und ganz viel Volleyball.

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