Chance? Verpasst!?

Die Damen 2 des SSV haben die letzte Minimal-Chance auf einen Aufstieg in die Bezirksliga fast vollständig vergeben – so es denn überhaupt eine Chance gab.

Das Vorgehen des Verbands ist gleichsam eigenartig wie verständlich. Denn eigentlich steigen in jedem Jahr nur die Meister einer Liga in die nächsthöhere Liga auf. Aber nach der akuellen Regelung würden insgesamt mehr Mannschaften absteigen als aufsteigen – immerhin steigen aus den drei Bezirksligen insgesamt 6 Mannschaften ab (die beiden letztplatzierten), aber nur 3 Meister würden diese Lücken füllen. Dass deshalb eine Relegation unter den Zweitplatzierten stattfindet, macht Sinn. Dass in diesem Jahr auch eine unter den Drittplatzierten gespielt wurde, kann zumindest für Verwunderung sorgen.

In der Halle in Hockenheim, wo die SSV-Mädchen als Dritte ihrer Bezirksklasse deshalb antreten sollten, herrschte eigentlich überall die Meinung vor, dass diese Relegation vermutlich überflüssig sei. Ob es so ist oder nicht, entscheidet sich erst in den nächsten Wochen.

Davon unbenommen hatte sich ein SSV-Team aufgemacht, eine Chance – so sie denn bestand – auch zu nutzen. Die beiden Drittplatzierten der parallelen Bezirksklassen vom DJK Bruchsal und CVJM Neureut waren die designierten Gegner. Das Los hatte Bruchsal als erster Gegner gebracht – wie sich herausstellte die stärkere der beiden unbekannten Mannschaften.

Trotz des Fehlens gleich dreier Stammspielerinnen war das Spiel von Anfang an durchaus sehenswert. Der SSV kam hervorragend ins Spiel und übernahm ab Mitte des ersten Satzes die Führung. 25:22 – perfekter Anfang. Den positiven Schwung nahm die Mannschaft auch problemlos mit in den 2. Satz, wo der SSV schnell mit 8:3 vorn lag. Der Vorsprung schmolz im weiteren Verlauf zwar immer mehr dahin, aber beim Stand von 24:23 hatte man den ersten Satzball. Der wurde leider ebenso vergeben wie der beim Stand von 25:24. Ein leichter Fehler kam dann zur denkbar unpassendsten Zeit: 25:27 – sehr ärgerlich.

Mit umso mehr Elan ging es in Satz 3. Das war schon sehr tolles Volleyball, was diese junge Mannschaft da zeigte. Schnell wuchs der Punktevorsprung, das 25:20 war am Ende knapper als der gefühlte Spielverlauf. Jetzt wollte man in Satz 4 den Sack zumachen. Danach sah es auch noch während der ersten Ballwechsel im 4. Durchgang aus, aber immer häufiger schlichen sich Konzentrationsfehler in das Spiel, sodass der Gegner seinerseits Oberwasser bekam. Das war auch schon rein akustisch wahrzunehmen, wie Bruchsal sich nach oben peitschte, während die SSV-Mädchen sich beeindruckt zeigten. Wie so oft im Volleyball brachte der Satz die Wende: nach einem verlorenen 20:25 riss beim SSV komplett der Faden. In Durchgang 5 lief fast nichts mehr zusammen und so war die Enttäuschung am Ende riesengroß, als man diesen sicher geglaubten Sieg doch nicht einfahren konnte.

Wenn man schon vorher bezweifelt hatte, noch eine Chance auf einen Aufstieg zu haben, so konnte man jetzt spüren, dass die letzte Zuversicht gewichen war. Zwar war die Stimmung bei der Mannschaftsbesprechung vor dem zweiten Spiel gegen Neureut durchweg positiv und alle brachten zum Ausdruck, dass sie noch einmal Vollgas geben wollten. Vermutlich war der Wille auch da, aber die Luft war doch irgendwie aus dem Spiel heraus. Es war kein völliger Zusammenbruch, aber man hatte auch nie das Gefühl, ins Spiel hineinzukommen beziehungsweise sich ins Spiel hineinkämpfen zu können. Dazu gehörte sicher auch ein Gegner, der zwar nicht spektakulär, aber doch sehr konstant sein Spiel durchzog und jeden der drei Sätze letztlich auch verdient gewann.

Ganz sicher ist es einfach nur schade, dass die Mannschaft sich mit einem derartigen Spiel aus der Saison endgültig verabschiedet hat. Positiv war trotzdem anzumerken, dass Leo mit nur zwei Trainings nach drei Monaten Neuseeland ihren ersten Einsatz ebenso feierte wie Yassi nach fast zweimonatiger Verletzungspause. Ebenso erfreulich, dass Emilia und Sara ihren Einstand in der D2 feiern konnten und dabei durchaus auch Akzente setzten.

Unabhängig von der Relegation muss die Bilanz unter dem Strich aber trotzdem sehr positiv ausfallen. Welche Entwicklung diese Mädels über die letzten 12 Monate genommen haben, ist durch die Bank toll. Von einer Mannschaft, die ohne feste Zuspielerin in die Runde gehen wollte, bis hin zu einem 5:1-System mit vielen taktischen Elementen war es ein großer Schritt. Aber auch im technischen Bereich konnten durchweg Fortschritte gemacht werden, auf die man in der Zukunft bauen kann. Wie man überhaupt sagen muss, dass man sich um die Zukunft des Volleyball im SSV keine Sorgen machen muss, wenn man diesen Mädchen im Training und auf den Spieltagen zuschaut. Natürlich könnte immer alles noch besser und noch professioneller sein. Und natürlich bleiben auch (wenige) bittere Niederlagen in Erinnerung. Für die 14- bis 17-jährigen Mädchen waren aber auch das wichtige Erfahrungen für ihrem weiteren Weg. Ob der immer so steig bergauf gehen kann wie im letzten Jahr, kann man nicht wissen. Und man sollte auch nicht mit zu hohen Erwartungen an alles gehen. Die Mischung der vergangenen Saison – das Maximale aus jeder Spielerin und jedem Spiel herausholen zu wollen und gleichzeitig alle Spielerinnen zu entwickeln – sollte trotzdem als gelungen angesehen werden.

Mein ganz persönlicher Dank geht natürlich an die Mädels. Es waren nicht nur einfache, aber sehr intensive und tolle Zeiten. Es macht unheimlich Spaß, mit derart vielen begeisterten und motivierten Mädels zu arbeiten. Ihr seid zu einem echten Team zusammengewachsen, auf das jeder Trainer einfach stolz sein kann.

Last but not least möchte ich mich bei den vielen engagierten Eltern bedanken. Ohne euch könnten wir keinen Spieltag bestreiten (schließlich hat in der Mannschaft altersbedingt noch keine Spielerin einen Führerschein). Ihr unterstützt aber auch sonst meine Arbeit mit den Mädchen und helft dabei, dass eure Mädels trotz schulischer Belastung an möglichst vielen Trainings und Spieltagen dabei sein konnten. Dafür ein dickes Dankeschön!

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